Feminism, NOW!

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Photo Credit Rico Schüpbach

Populistische Politiker_innen wollen die Uhren zurückdrehen. Die Ehe für alle soll abgeschafft werden (in der Schweiz müsste sie dafür zuerst einmal eingeführt werden) und das Volk gefälligst ein Leben führen, dass dem rigiden, binären Geschlechterverständnis entspricht. Zwar geben Populist_innen vor, das freie, westliche Leben zu schützen. In Wahrheit ist das Gegenteil der Fall. Sie wollen Rückschritt und schüren Angst vor Veränderung, Migration und allen Minderheiten. In Frankreich konnte das Schlimmste noch verhindert werden, der Zulauf zu rechtsradikalen Gruppierungen ist dennoch erschreckend gross.

Gleichzeitig regt sich aktuell, weltweiter Widerstand und Feminismus ist wieder en vogue. Es scheint, als hätte die Erstarkung des Konservatismus gesellschaftlich liberale Menschen wachgerüttelt, im Kampf gegen Diskriminierung endlich klar Position zu beziehen. Der Feminismus galt bis vor ein paar Jahren als verstaubt. 2011 schrieb Die Zeit Online «der Feminismus hat einen schlechten Ruf. Und zwar bei so ziemlich allen unter 30». Für viele ist der Begriff noch heute zu radikal, was total paradox ist.

feminism

Denn Feminismus verlangt lediglich die soziale, politische und ökonomische Gleichstellung von Frauen und Männern. Das war im 17. Jahrhundert radikal. 2017 sollte diese Idee längst Mainstream sein. Ist sie aber nicht. Es ist nun mal so, dass wir, global betrachtet, nach wie vor in einer patriarchal geprägten Gesellschaft leben. LGBT* Rechte sind auch ein feministisches Anliegen, weil die Ideologie Heteronormativität in Frage stellt. Mit diesem Begriff ist gemeint, dass Heterosexualität als Normalität wahrgenommen und medial auch dementsprechend inszeniert wird. Wird Homosexualität medial dargestellt, ist diese oft klischiert und an heteronormative Vorstellungen angepasst. In Filmen, Werbungen und Medien sind Minderheiten häufig völlig falsch- oder unterrepräsentiert. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass sich Mainstream-Figuren für die gleichen Rechte öffentlich einsetzen.

Seit ein, zwei Jahren bekennen immer mehr Menschen Farbe und sprechen sich für die gleichen Rechte für alle Menschen aus und stossen damit eine wichtige Diskussion erneut an. Musiker_innen vermitteln durch ihre Videos feministische Ideen. Kritiker_innen werfen ein, dass die Kommerzialisierung Ideologien jeglicher politischen Kraft beraubt. Ich bin anderer Meinung. Wer die Massen nicht erreicht und seine Botschaften nur im Vorlesungssaal oder unter Gleichgesinnten teilt, kommt keinen Schritt weiter. Um eine Diskussion zu lancieren, braucht’s prägnante Messages, die über Massenmedien kommuniziert werden. Das geschieht auch zunehmend.

Beyoncés letztes Album «Lemonade» ist politischer denn je. An den Women’s Marches demonstriert die Bevölkerung weltweit gegen Sexismus und Madonna prangert Frauenfeindlichkeit erstmals öffentlich an.

Sie ist ein Beispiel für den massentauglichen Wandel. Noch vor wenigen Jahren bezeichnete sie sich lieber als Humanistin und nicht als Feministin. Dass sie schon immer eine war, ist unbestritten. Dass sie sich auch selbst als eine bezeichnet, ist neu. In ihrer Rede an den Billboard Awards 2016 revanchierte sie sich bei ihren Kritiker_innen, die sie jahrelang wegen ihrer zur Schau gestellten Sexualität als schlechte Feministin abstempelten:

“Camille Paglia, the famous feminist writer said, that I set women back by objectifying myself sexually. Oh, I thought, if you’re a feminist you don’t have sexuality, you deny it. I said fuck it. I am a different kind of feminist, I am a bad feminist!”

Die Künstlerin ist für viele eine Postfeministin. Also jemand, der die Errungenschaften der Frauenbewegung zurücksetzt. Ihr wurde vorgeworfen die Pornifizierung der Popkultur voranzutreiben und sich selbst und somit andere Frauen als Objekt herunterzustufen. Diese Kritik übersah ihren herausragenden Beitrag zur Befreiung von Frauen und schwulen Männern. Im Video zum Song «Justify my love» 1993 inszenierte sie sich als Frau, die ihre Sexualität uneingeschränkt lebt. Schwule Männer spielen im Video ebenfalls eine zentrale Rolle. Sie machte sich und ihre wilde Crew nicht zum Objekt, sondern zum begehrten und begehrenden Subjekt. Sie inspiriert seit dem Beginn ihrer Karriere junge Leute, und das seit mehreren Generationen. Sie zeigt, wie man im Mainstream Geschlechterrollen erfolgreich hinterfragt.

madonna

Feminin, maskulin? Madonna hat Geschlechterrollen schon immer massiv in Frage gestellt. Reiner Kommerz? Mag sein, doch auf die Message kommt’s an.

Auch Männer bezeichnen sich mehr und mehr als Feministen. Barack Obama, Ryan Gosling und weitere machen es vor.

Im Zeitalter des Populismus ist ein geeinter Feminismus zwingend. Spätestens seit der Wahl von Trump tritt der Feminismus wieder vermehrt verbündet auf. Der zu lang gelebte, linksliberale «alles-kommt-gut-Modus» sollte seit der erschreckenden Tatsache, dass Trump Präsident ist und Le Pen tatsächlich zur Diskussion stand, endlich vorbei sein.

Bleibt zu hoffen, dass es sich bei der aktuellen Renaissance nicht nur um eine Mode handelt, sondern, dass sich die Idee der gleichen Rechte für alle endlich durchsetzt. Denn noch einmal, der Feminismus will nichts Anderes als das.

Dies ist ein Artikel von Rico Schüpbach. 

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