Eine richtige Powerfrau – Mit 21 Jahren kämpft Noemi für die Gleichberechtigung von Mädchen und Frauen

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MARNO: Du engagierst dich seit fast 10 Jahren für die Rechte der Frauen und bist selber erst 21 Jahre jung. Wie können wir uns das vorstellen – weshalb beschäftigt dich die Thematik so sehr und wie zeigt sich das in deinen Aktivitäten?
Noemi: Ja das ist wirklich so, schon seit ich sehr jung bin interessiere ich mich für das Thema der Frauenrechte und der Gleichstellung von Frau und Mann. Die Tatsache, dass weltweit und auch in meinem Heimatland der Schweiz, Frauen und Männer immer noch nicht gleichgestellt sind, konnte ich nie verstehen. Ich selber wuchs in einem sehr „gleichgestellten“ Zuhause auf, mit Eltern, die mir und meinen drei Schwestern diese Werte mit auf den Weg gegeben haben. Ich habe schnell gemerkt, dass es auch gar nichts zu verstehen gibt an dieser Ungleichheit, sondern zu ändern. Und diese Veränderung muss bei mir beginnen. In der Begabtenförderung habe ich somit mit ca. 10 Jahren einen Vortrag geschrieben über Frauenrechte und habe dazu Interviews mit meinen männlichen Lehrern über Frauenrechte geführt. So wurde ich relativ jung aktiv, sei es in verschiedenen freiwilligen Projekten oder dann konkret mit meiner Maturaarbeit, die von der Integration von Migrantinnen im Kanton Nidwalden handelt. Für diese Arbeit wurde ich von «Schweizer Jugend forscht» ausgezeichnet, was mich darin bestärkt hat, dass die Gender-Fragen in verschiedenen Bereichen aktuelle und prägnante Themen sind. Ebenfalls gab ich mir immer Mühe eine emanzipierte Frau zu sein und mich nicht in die stereotyp geprägte Gesellschaft einzugliedern oder gar drängen zu lassen. Nach meiner Matura arbeitete ich in Projekten in Südamerika. Ich stand dabei in engem Kontakt mit jungen Frauen und wurde mit folgenden Themen konfrontiert: Teenageschwangerschaften, zu wenig Sexualaufklärung sowie das Nichtrespektieren von sexuellen Rechten. Diese Erfahrungen haben mich sehr geprägt.

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MARNO: Als UNO-Jugenddelegierte der Schweiz hattest du die Möglichkeit an der grössten Frauenkonferenz in New York teilzunehmen. Was war das für eine Erfahrung?
Noemi: Für mich war das eine unglaublich bereichernde Erfahrung. Ich hatte das Glück an der grössten Frauenrechtskonferenz der Welt teilzunehmen, mit Expertinnen und Experten und Menschen die das Interesse und den Kampf für Frauenrechte mit mir teilen. Ich durfte als offizielles Mitglied der Schweizer Delegation mit dabei sein und hatte so die Möglichkeit mit Spezialisten zu Gender-Fragen in der Schweiz zusammenzuarbeiten und mich sehr vertieft mit diesem Thema zu beschäftigen. Von morgens bis in die Nacht war ich während zwei Wochen mit meiner Delegation an der UNO unterwegs, als Besucherin von thematischen Events, Vertreterin der Schweiz bei der Generaldiskussion oder dann auch bei den Verhandlungen. Meine Aufgabe bestand darin die Stimme der Jugend zu vertreten. Durch meine spezielle Rolle als Jugenddelegierte wurde ich auch an Podiumsdiskussionen als Rednerin eingeladen und habe eigenständig einen Event zum Thema Sexualaufklärung, sexuelle Rechte und die Rolle der Jugend organisiert. Dadurch, dass ich an einem Youth Forum vor der offiziellen Konferenz teilgenommen habe, konnte ich auch viele junge gleichgesinnte Menschen aus aller Welt kennenlernen, die genauso für Frauenrechte und Gleichberechtigung kämpfen wie ich – in 195 verschiedenen Ländern dieser Welt. Diese Erfahrung war sehr inspirierend und berührend für mich. Ich konnte sehr viel über Frauenrechte weltweit lernen und die Begegnungen und Gespräche haben mir noch einmal einen Schub Motivation mit auf den Weg gegeben.

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MARNO: Eines deiner aktuellsten Projekte dreht sich um die «sexuelle Gesundheit der Schweiz».
Was würdest du dir diesbezüglich für die Zukunft der Schweiz wünschen?
Noemi: Gerade in unserer Gesellschaft, die Sexualität kommerziell missbraucht und in den Medien stereotype Bilder vermittelt, in der es sehr viel häusliche Gewalt gibt und die auch von HIV und anderen sexuell übertragbaren Infektionen betroffen ist, müssen Kinder und Jugendliche frühe Orientierungshilfen bekommen. Sexualaufklärung erfüllt sowohl die Ziele der Bildungs- und Gesundheitspolitik, als auch die gesellschaftlichen Forderungen zu Integration und Gleichberechtigung. Die Schule als Ort der Wissensvermittlung hat die Aufgabe, allen Schülerinnen und Schülern sowohl Fakten als auch Kompetenzen zu Beziehung und Kommunikation anzubieten: dies gilt insbesondere auf dem Gebiet der Sexualität und der sexuellen Gesundheit.
Alle Kinder und Jugendlichen sollten deshalb das Recht auf eine altersgerechte Sexualaufklärung auf allen Stufen des Bildungssystems haben. Nur die Schule kann allen Kindern gleichberechtigt und unabhängig Wissen und Fähigkeiten vermitteln. Auf gesamtschweizerischer Ebene fehlen nach wie vor einheitliche und verbindliche Richtlinien. Sprachregionale und kantonale Unterschiede sowie eine unterschiedliche Handhabung von Schulhaus zu Schulhaus (oder gar von Lehrperson von Lehrperson) innerhalb einer einzigen Region zeigen, dass der Stellenwert der Sexualerziehung sehr gering ist und Berührungsängste andauern. Ich wünsche mir deshalb für die Schweiz, dass einheitliche und verbindliche Richtlinien zu Sexualaufklärung in der Schule national eingeführt werden, und ebenfalls, dass man das Thema der Geschlechtergleichstellung im Lernplan verankert.

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MARMO: Warum ist es deiner Meinung nach so wichtig, dass sich auch junge Menschen in der Schweiz mit der Thematik «Frauenrechte» beschäftigen?
Noemi:
Mädchen und Jungs sind schon sehr früh mit den stereotypen Gesellschaftsbildern konfrontiert. Dies ist meiner Meinung nach nicht gesund für ihre Entwicklung. Jugendliche und Kinder brauchen Raum und Platz um über diese Themen zu diskutieren und sich mit diesen Themen selber zu beschäftigen, um so eine eigene Meinung zu bilden. Heutzutage sind es viele neue Themen mit denen Jugendliche konfrontiert sind: Sexismus auf Social Media oder in der Werbung, sexuelle Belästigung oder sexuelle Gewalt. Diese Themen betreffen vor allem Jugendliche und deshalb muss man die Diskussion bei jungen Menschen über diese Themen fördern und die Jugendlichen auf diese Themen sensibilisieren. Ich bin der Meinung, dass unsere Generation (Generation Y oder Z) ganz neue Rollenbilder hat und viel emanzipierter und progressiver ist. Zum Beispiel ist der erfolgreiche Women’s March in Zürich durch Gymnasiastinnen initiiert worden. Das finde ich eine unglaublich schöne Entwicklung und diesen Power der Jugend muss man nutzen um Dinge voranzutreiben.

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MARNO: Was bedeutet für dich #swissgirlpower?
Noemi: #swissgirlpower steht für mich für alle Mädchen und Frauen in der Schweiz, die sich für Themen einsetzen die ihnen am Herzen liegen. Frauen die sich nicht von stereotypen Gesellschaftsbildern und von niemanden hindern lassen, ihren Weg zu gehen und das zu tun und zu lassen was sie wollen und als richtig und wichtig empfinden.

Ein grosses Dankeschön an dich Noemi für das wunderbar inspirierende Gespräch!

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